Saatgut Austria warnt vor einem Wirkstoffengpass bei Beizmitteln in vielen Kulturen:
Saatgut Austria-Obmann Rainer Frank: „Samenbürtige Krankheiten wie der Steinbrand können ausschließlich mit Beizen bekämpft werden. Zudem sind Pflanzen in der Keim- und Auflaufphase besonders anfällig für bodenbürtige Pilze, Bakterien und Schädlinge und können Schäden kaum kompensieren, da das Wurzelsystem und die Blattmasse noch nicht voll entwickelt sind. Fällt der Bestand in dieser frühen Phase aus oder wird geschwächt, wirkt sich das auf die gesamte Vegetationsperiode aus. Ertragseinbußen lassen sich dann oft nicht mehr ausgleichen. Das heißt, die Sortenpotenziale werden nicht voll ausgeschöpft, die Betriebe verlieren Umsätze, können nicht kostendeckend produzieren und schließen. Das ist ein enormer Dämpfer für die Vielfalt in der heimischen pflanzlichen Produktion.“
Die Beizung wirkt direkt am Saatkorn und im unmittelbaren Umfeld der jungen Wurzel und des Keimlings im Boden sowie teilweise auch anschließend in der Pflanze. Sie ist eine effiziente Behandlungsmöglichkeit, die sehr zielgerichtet wirkt und dabei nur eine geringe Menge an Pflanzenschutzmitteln benötigt. Bei der Beizung handelt es sich also nicht um eine flächige Anwendung, sondern um eine hochpräzise, punktuelle Maßnahme, bei der sehr geringe Wirkstoffmengen genau dort eingesetzt werden, wo sie benötigt werden. Gehen weitere Wirkstoffe verloren, verliert die Beizung als innovativer Schutz des Saatguts an Bedeutung.
Beizmittel wirken gezielt gegen samen- und bodenbürtige Krankheiten wie Steinbrand, Flugbrand oder Schneeschimmel. Systemische Wirkstoffe halten sogar innenliegende Infektionen wie den Flugbrand in Schach, der sich im Embryo des Saatkorns festsetzt. Zunehmende Einschränkungen und der Wegfall verfügbarer Beizmittel hat unmittelbare Auswirkungen auf die Pflanzengesundheit und Erträge.
„Die Beizung ist in der Phase nach der Saat ein wichtiger Baustein. Ackerbauliche Maßnahmen wie Sortenwahl, Saattermin, Bodenbearbeitung und die Fruchtfolge senken zwar den Befallsdruck, reichen alleinstehend aber nicht zur Kontrolle aus“, gibt Rainer Frank zu bedenken. Über Beizung können zudem Nährstoffe, Biostimulanzien oder nützliche Mikroorganismen an den Keimling gebracht werden, was weitere Vorteile mit sich bringt.
Oft genannte alternative Verfahren wie Elektronenbeizungen oder Dampfverfahren wirken hingegen nur gegen äußerlich anhaftende Erreger und schützen nicht vor bodenbürtigen Erregern. Biologische Beizen sind ein wachsender Bereich, haben jedoch ein engeres Wirkungsspektrum und können daher nur als Ergänzung zur konventionellen Beizung betrachtet werden. Hier kommen Mikroorganismen oder natürliche Substanzen zum Einsatz, die krankheitserregende Organismen verdrängen oder die Pflanze stärken. Auch gegen Schädlinge wie Drahtwürmer oder Saatenfliege werden die Möglichkeiten weniger.
Saatgut Austria hat dazu ein Factsheet mit den wichtigsten Infos zur Saatgutbeizung erstellt.
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