Der Sommer 2026 hat gezeigt, dass durch ein anhaltendes Extremwetterereignis enorme Ernteausfälle drohen können. Umso wichtiger ist es, Lebensmittel ressourcenschonend zu produzieren und Verluste zu minimieren. Anlässlich des Internationalen Tags gegen Lebensmittelverluste und -verschwendung am 29. September betont Saatgut Austria den Nutzen der Pflanzenzüchtung und von zertifiziertem Saatgut im Kampf gegen Verluste. „Wer denkt, Lebensmittelabfälle würden ausschließlich durch Überproduktion oder individuelles Verhalten entstehen, irrt. Bereits das Saatgut und die Sortenwahl beeinflussen, ob Pflanzen zuverlässig wachsen und in welcher Menge und Qualität sie für unser Ernährungssystem zur Verfügung stehen“, so Rainer Frank, Obmann von Saatgut Austria. „Pflanzenzüchtung und Qualitätssaatgut schaffen die Voraussetzungen für gesunde Pflanzen, stabile Ernten sowie lager- und verarbeitungsfähige Rohstoffe. Ausfälle werden so von Beginn an reduziert und Boden, Wasser, Energie sowie weitere Betriebsmittel können effizient eingesetzt werden. Unser Ziel ist es daher, sicherzustellen, dass mehr Erntegut die notwendige Qualität für Verarbeitung und Konsum erreicht.“
Gesundes, geprüftes und keimfähiges Qualitätssaatgut ermöglicht einen gleichmäßigen Feldaufgang und stabile Pflanzenbestände. Resistenzen und Toleranzen gegenüber Krankheiten und Schädlingen senken das Risiko, dass Bestände ausfallen oder Erntepartien die Qualitätsanforderungen der Abnehmer verfehlen. Auch robuste Wurzelsysteme sowie die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Anbaubedingungen tragen zu verlässlichen Ernten bei. Je besser eine Sorte an Standort, Produktionsweise und Verwendungszweck angepasst ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass mit den eingesetzten Ressourcen hochwertige und marktfähige Lebensmittel entstehen.
Ob Erntegut vollständig genutzt werden kann, hängt wesentlich von seinen Eigenschaften ab. Standfestigkeit, gleichmäßige Abreife, geringe Ausfallneigung und Widerstandsfähigkeit gegen Vorerntekeimung ermöglichen eine qualitätsschonende Ernte. Mechanische Robustheit und gute Lagerfähigkeit helfen anschließend, Ausfälle bei Aufbereitung, Transport oder Lagerung zu reduzieren. Bei Obst und Gemüse sind zudem Reifungsverlauf, Druckstellenunempfindlichkeit sowie der Erhalt von Geschmack, Konsistenz und ernährungsphysiologisch wichtiger Inhaltsstoffe entscheidend. Bei Getreide, Kartoffeln, Ölsaaten oder Eiweißpflanzen stehen unter anderem Backqualität, Protein- und Stärkegehalt sowie die technischen Verarbeitungseigenschaften im Mittelpunkt. Die präzise Abstimmung von Rohstoff und Verwendungszwecks senkt das Risiko für Food Loss im Lauf der Wertschöpfungskette.
Rainer Frank, Obmann von Saatgut Austria bringt es auf den Punkt: „Pflanzenzüchtung und Qualitätssaatgut schaffen die Voraussetzungen dafür, dass ein möglichst großer Anteil der landwirtschaftlichen Produktion tatsächlich als Lebens- oder Futtermittel genutzt wird. Verlustvermeidung beginnt damit bereits bei der Auswahl der richtigen Sorte.“
Klassische Kreuzung und Selektion werden heute durch Genomik, markergestützte Auswahl und digitale Phänotypisierung ergänzt. Dadurch lassen sich Sorten gezielter auf Pflanzengesundheit, Erntesicherheit, Lagerfähigkeit, Qualität und Verarbeitungseignung prüfen. Sortenvielfalt verbindet die Anforderungen von Standort, Landwirtschaft, Verarbeitung und Absatzmarkt und stärkt die regionale Wertschöpfungskette auch in zeitlicher Hinsicht. Auch unterschiedliche Reifezeitpunkte unterschiedlicher Sorten können dazu beitragen, Übermengen und Food Loss einzuschränken, indem nicht lagerfähiges Erntegut über einen längeren Zeitpunkt geerntet und vermarktet bzw. verarbeitet wird.
Über Saatgut Austria
Saatgut Austria ist die Vereinigung der Pflanzenzüchter, Saatgutproduzenten und Saatgutkaufleute Österreichs und übernimmt die Vertretung der gemeinsamen Interessen der Saatgutwirtschaft. Zu den Mitgliedern zählen 25 Firmen, drei Institutionen und zehn Einzelpersonen. Der Obmann der Vereinigung ist Rainer Frank (Kärntner Saatbau), seine Stellvertreter sind Johann Birschitzky (Saatzucht Donau), Florian Mayer (RWA Raiffeisen Ware Austria) und Antonio Foramitti (HESA Saaten).
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