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IGP & Saatgut Austria: Fruchtfolge ist „Pincode“ für erfolgreiche Ernten

Ertrag und Einkommen hängen vom Ablauf der Kulturen ab. Österreichs Landwirte setzen auf Fruchtfolge als ein Instrument, doch sie ist kein Allheilmittel.

Wenn in den kommenden Wochen Winterkulturen ausgesät werden, geht es um weit mehr als die nächste Ernte. Die Fruchtfolge ist wie ein Pincode aus aufeinanderfolgenden Kulturen und nur der richtige verspricht den Zugang zu erfolgreichen Ernten und Einkommen. Die Fruchtfolge ist damit ein zentraler Baustein des integrierten Pflanzenschutzes. „Fruchtfolge bedeutet nicht einfach, jedes Jahr etwas anderes anzubauen. Entscheidend ist die richtige Kombination der Kulturen und ihrer Vor- und Nachteile“, betonen die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) und Saatgut Austria. „Österreichs Landwirte wenden die Fruchtfolge an, weil Vielfalt am Acker einen konkreten Nutzen bringt. Entscheidend ist aber nicht möglichst viel Abwechslung um jeden Preis, sondern eine Fruchtfolge, die zum Standort, zum Betrieb und zu den jeweiligen Kulturen passt. Standort, Boden, Klima und Niederschlag spielen bei der Planung ebenso eine Rolle wie vorhandene Technik, Absatzmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und der bisherige Schaderregerdruck. Fruchtfolge ist zudem kein einzelnes Rezept, sondern Teil eines durchdachten landwirtschaftlichen Gesamtsystems.“

Bei der Fruchtfolge wechseln unterschiedliche Kulturpflanzen über mehrere Jahre auf derselben Fläche. Das hat einen wichtigen vorbeugenden Effekt: Viele Krankheiten und Schädlinge sind auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert. Steht ihre bevorzugte Kultur nicht jedes Jahr zur Verfügung, können Entwicklungs- und Infektionszyklen unterbrochen und der Befallsdruck reduziert werden. Auch bei Unkräutern hilft Abwechslung. Winter- und Sommerkulturen unterscheiden sich bei Saatterminen, Bodenbearbeitung, Bestandsentwicklung und Erntezeitpunkten. Damit ändern sich regelmäßig die Bedingungen für Unkräuter, die an bestimmte Anbausysteme angepasst sind.

Kulturenwechsel fördert betriebliche Resilienz

Die Fruchtfolge kann darüber hinaus Bodenstruktur und Nährstoffhaushalt positiv beeinflussen. Unterschiedliche Wurzelsysteme erschließen verschiedene Bodenschichten, Ernterückstände liefern organisches Material. Der Anbau mehrerer Kulturen verteilt zudem betriebliche Risiken: Wetterextreme, Krankheiten oder Veränderungen am Markt treffen nicht jede Kultur gleichermaßen. Gerade die Kombination unterschiedlicher Kulturarten macht eine Fruchtfolge daher wertvoll.

„Eine gute Fruchtfolge beginnt mit Vielfalt. Dafür brauchen Landwirte eine breite Auswahl an Kulturen und Sorten, die zu ihrem Standort und ihrem Betrieb passen. Genau hier leisten Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft einen entscheidenden Beitrag: mit Züchtung, Sortenentwicklung und hochwertigem Saatgut schaffen wir Wahlmöglichkeiten für die Praxis. Denn je besser das Angebot zu den unterschiedlichen Bedingungen passt, desto gezielter können Landwirte die Stärken verschiedener Kulturen in der Fruchtfolge nutzen“, betont Rainer Frank, Obmann von Saatgut Austria.

Kulturen und ihre Vor- und Nachteile

Getreide wie Weizen, Gerste, Roggen oder Hafer bildet zahlreiche Feinwurzeln im Oberboden. Stroh und Wurzelreste liefern nach der Ernte organisches Material. Früh räumende Kulturen wie Wintergerste schaffen zudem Zeit für den Anbau von Zwischenfrüchten.

Mais bringt als Frühjahrskultur einen anderen Aussaat- und Entwicklungsrhythmus in wintergetreidereiche Fruchtfolgen. Seine große Biomasse und sein umfangreiches Wurzelsystem ergänzen andere Kulturen. Zu enge Maisfruchtfolgen können allerdings wiederum bestimmte Schädlinge und Krankheiten fördern.

Hülsenfrüchte wie Erbse, Ackerbohne oder – mit Einschränkungen – auch die Sojabohne haben einen besonderen Vorteil: In Symbiose mit Knöllchenbakterien können sie Stickstoff aus der Luft binden. Sie benötigen daher für ihre eigene Versorgung keinen oder deutlich weniger mineralischen Stickstoffdünger und auch nachfolgende Kulturen profitieren. Als botanisch nicht mit Getreide verwandte Kulturen sind sie außerdem wertvolle Partner in getreidereichen Fruchtfolgen.

Auch Kartoffel, Sonnenblume oder Ölkürbis bringen durch andere Wurzelsysteme, Saattermine, Bestandsstrukturen und Bearbeitungsrhythmen zusätzliche Vielfalt aufs Feld. Gleichzeitig gilt auch für diese Kulturen: Ausreichende Anbaupausen sind wichtig, weil zu enge Fruchtfolgen jeweils spezifische Krankheiten und Schädlinge begünstigen können.

Fruchtfolge kann viel – aber nicht alles

IGP und Saatgut Austria warnen gleichzeitig vor überzogenen Erwartungen. Die Fruchtfolge ist eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen, aber kein Ersatz für andere Werkzeuge. Besonders wirksam ist sie gegen spezialisierte und standorttreue Schaderreger. Andere Erreger können dagegen lange im Boden überdauern, mehrere Wirtspflanzen nutzen oder über größere Distanzen verbreitet werden. Gegen luftübertragene Krankheiten wie Roste und Mehltau kann die Fruchtfolge beispielsweise nur begrenzt wirken. Eine vielfältigere Fruchtfolge bringt außerdem zusätzliche Anforderungen an Planung und Betriebsmanagement mit sich. Nicht jede Kultur passt zu jedem Standort. Bodenart, Klima und Niederschlag setzen ebenso Grenzen wie verfügbare Technik, Absatzmöglichkeiten und Marktpreise. Auch zusätzliche Bodenbearbeitung oder mechanische Unkrautkontrolle kann mehr Arbeitsaufwand, Kosten und Überfahrten verursachen.

Im integrierten Pflanzenschutz ergänzt die Fruchtfolge Sortenwahl, Bodenpflege, Monitoring, mechanische Maßnahmen und – wenn erforderlich – gezielten Pflanzenschutz: „Fruchtfolge ist gelebter Pflanzenschutz, kann aber als einzelner Baustein nicht jedes Problem lösen. Sollten die vorbeugenden Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes nicht ausreichen, unterstützt die Industrie die Betriebe deshalb mit modernen Pflanzenschutzlösungen“, so IGP-Obmann Christian Stockmar. „Jede Kultur bringt andere Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter mit sich und benötigt dafür passende Lösungen. Fehlen für eine Kultur wirksame Pflanzenschutzmittel, kann ihr Anbau wirtschaftlich oder pflanzenbaulich zu riskant werden. Im schlimmsten Fall fällt sie aus der Fruchtfolge. Vielfältige Fruchtfolgen funktionieren daher nur, wenn für jede Kultur ausreichend wirksame Werkzeuge zur Verfügung stehen. Das ist momentan aufgrund der EU-Überregulierung aber nicht der Fall.“

IGP und Saatgut Austria haben jeweils ein Factsheet zur Fruchtfolge als Element des integrierten Pflanzenschutzes sowie zu den Vor- und Nachteilen einzelner Kulturen aufbereitet.

 

Über Saatgut Austria

Saatgut Austria ist die Vereinigung der Pflanzenzüchter, Saatgutproduzenten und Saatgutkaufleute Österreichs und übernimmt die Vertretung der gemeinsamen Interessen der Saatgutwirtschaft. Zu den Mitgliedern zählen 25 Firmen, drei Institutionen und zehn Einzelpersonen. Der Obmann der Vereinigung ist Rainer Frank (Kärntner Saatbau), seine Stellvertreter sind Johann Birschitzky (Saatzucht Donau), Florian Mayer (RWA Raiffeisen Ware Austria) und Antonio Foramitti (HESA Saaten).

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