Die erste längere Hitzephase ist vorbei und die Entwicklung der Bestände zeigt reduzierte Erträge und Qualität. Moderne, klimafitte Sorten haben zwar wahrscheinlich schlimmeres verhindert, trotzdem zeigt sich, dass Temperaturen jenseits der 40 Grad vielen Kulturarten stark zusetzen und Extremwetterperioden künftig ein entscheidender Faktor der Versorgungssicherheit werden. Umso wichtiger ist es, Pflanzen gezielt darauf zu züchten, widerstandsfähiger gegenüber abiotischen Stressfaktoren wie Trockenheit oder Hitze zu sein oder früher zu reifen, um Hitzephasen zu entgehen. Das macht die Pflanzenzüchtung zu einem enorm wichtigen Baustein einer nachhaltigen und klimaangepassten Landwirtschaft. Durch die Fortschritte in der Züchtung bleiben Pflanzen auch unter zunehmend herausfordernden Klimabedingungen leistungsfähig, Erträge werden stabilisiert und der Einsatz von unterschiedlichen Produktionsmitteln kann reduziert werden.
„Gesunde Pflanzen sind die Grundlage für eine sichere Lebensmittelversorgung. Die moderne Pflanzenzüchtung ermöglicht es, Sorten zu entwickeln, die sowohl den Herausforderungen des Klimawandels als auch – im Falle anhaltend feucht-nasser Bedingungen – einem steigenden Krankheitsdruck besser standhalten. Die Saatgutwirtschaft kann dadurch robuste Kulturpflanzen für die Landwirtschaft der Zukunft in Form zertifizierten Saatguts bereitstellen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für stabile Erträge und einen nachhaltigen Pflanzenbau“, betont Rainer Frank, Obmann von Saatgut Austria. Das belegt den enormen Nutzen des Projekts Klimafits, das Saatgut Austria gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (BMLUK) sowie den Bundesländern und der AGES 2017 gestartet hat. Das Ziel ist, klimafitte Sorten für Österreich zu entwickeln, die trockenheits- und hitzetolerant sowie an den Klimawandel und regionale Erfordernisse angepasst sind. Dazu zählt auch eine gezielte Selektion auf frühere Reife.
Die Kulturpflanzen unterscheiden sich in ihrer Entwicklung und ihrem Vegetationszyklus. Während Winterweizen bereits im Herbst ausgesät wird und aufgrund seiner langen Entwicklungszeit meist schon im Frühsommer geerntet werden kann, wachsen Mais, Sojabohne und Ölkürbis bis in den Spätsommer oder Herbst hinein und sind dadurch häufiger längeren Hitze- und Trockenperioden ausgesetzt. Die Pflanzenzüchtung berücksichtigt diese unterschiedlichen Anforderungen gezielt. So entstehen für jede Kultur Sorten, die optimal an ihre jeweilige Entwicklungsdauer, den Standort und die Umweltbedingungen angepasst sind:
Beim Mais, der im Sommer am Feld steht, ist die Verbesserung der Trockenheits- und Hitzetoleranz im Mittelpunkt, aber auch Resistenzen gegen Krankheiten bei feuchtem Wetter. Eine höhere Fusarium-Resistenz etwa trägt dazu bei, die Bildung gesundheitsgefährdender Mykotoxine zu reduzieren und die Qualität von Futter- und Lebensmitteln zu sichern.
Beim Weizen konzentriert sich die Züchtung auf eine bessere Anpassung an Trockenheit, Hitze und Frost sowie auf Resistenzen gegen bedeutende Krankheiten wie Braun-, Gelb- und Schwarzrost, Septoria oder Fusarium. Eine Strategie ist, Reife und Kornfüllung zu beschleunigen, um Hitzephasen bestmöglich zu entgehen.
Bei der Sojabohne liegt der Fokus auf Trockenheits- und Hitzetoleranz sowie einer verbesserten Anpassung an unterschiedliche Vegetationsbedingungen. Gleichzeitig werden Resistenzen gegen Krankheiten wie Phytophthora-Wurzelfäule, Sclerotinia-Stängelfäule oder das Sojabohnenmosaikvirus gezüchtet, wodurch die Ertragssicherheit insbesondere unter wechselnden Umweltbedingungen erhöht wird.
Auch beim steirischen Ölkürbis gewinnt die Züchtung widerstandsfähiger Sorten zunehmend an Bedeutung. Verbesserte Trockenheits- und Hitzetoleranz sowie Resistenzen gegen diverse Erkrankungen tragen dazu bei, Ertrag und Samenqualität zu sichern.
Über Saatgut Austria
Saatgut Austria ist die Vereinigung der Pflanzenzüchter, Saatgutproduzenten und Saatgutkaufleute Österreichs und übernimmt die Vertretung der gemeinsamen Interessen der Saatgutwirtschaft. Zu den Mitgliedern zählen 25 Firmen, drei Institutionen und zehn Einzelpersonen. Der Obmann der Vereinigung ist Rainer Frank (Kärntner Saatbau), seine Stellvertreter sind Johann Birschitzky (Saatzucht Donau), Florian Mayer (RWA Raiffeisen Ware Austria) und Antonio Foramitti (HESA Saaten).
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